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ETF Sparplan vs. ETF Rentenversicherung: mit Nettotarifen lohnt sich der Vergleich

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Autor
Pablo Wirth

Lesedauer: 8 Minuten

Ich werde oft gefragt, ob sich private Rentenversicherungen überhaupt lohnen oder es nicht besser sei, das Geld selbst anzulegen. Hauptargument für den Sparplan sind die hohen Kosten der Versicherung. Doch diese können Sie mit einem Nettotarif deutlich senken und dann von den Vorteilen des Versicherungsmantels profitieren.

Private Rentenversicherungen stehen wegen Ihrer hohen Kosten in der Kritik – nicht jedoch Nettotarife

Angesehene Verbraucherportale wie die Stiftung Warentest oder Finanztip raten regelmäßig von privaten Rentenversicherungen, insbesondere Fondspolicen ab. Hauptkritikpunkt sind die durch Provisionen, Verwaltungsgebühren sowie das aktive Fondsmanagement in die Höhe getriebenen Kosten. Um diese zu vermeiden, empfehlen sie den eigenständigen Aufbau einer Altersvorsorge z. B. im Rahmen eines ETF Sparplans. Gleichwohl stellen sie jedoch fest, dass ETF Rentenversicherungen zum provisionsfreien Nettotarif eine Alternative für Anleger darstellen, für die ein Sparplan keine Option ist.

Wenn Sie sich für ETFs zum Aufbau einer Altersvorsorge interessieren, lautet meine Antwort daher: Tun Sie das eine ohne das andere zu lassen. Sie können direkt in ETFs investieren und zusätzlich von den Vorteilen einer privaten Rentenversicherung profitieren. Sofern Sie sich für einen Nettotarif einer privaten Rentenversicherung entscheiden, bei der Sie die Wahl haben, in aktiv gemanagte Aktienfonds oder kostengünstige ETFs zu investieren.

Denn es gibt zwei Gründe, die für den Abschluss einer privaten ETF Rentenversicherung sprechen, und zwar:

  • die Steuervorteile in der Rentenphase und
  • der Versicherungsmantel für das Langlebigkeitsrisiko.

Beide Aspekte möchte ich Ihnen in den folgenden Abschnitten näher erläutern.

In den Vergleich mit einem ETF Sparplan sollten weder Rürup-, noch Riester-Rentenversicherungen einbezogen werden. Und zwar, weil sie kein bzw. nur ein eingeschränktes Kapitalwahlrecht einräumen und vollständig nachgelagert besteuert werden. Gleichwohl stellen sie sinnvolle Durchführungswege für Ihre private Altersvorsorge dar.
Privatrenten (mehr erfahren) hingegen bieten bei Rentenbeginn die Wahl zwischen einer Kapitalauszahlung und einer lebenslangen Rente. Genau wie ein ETF-Sparplan werden die Versicherungsbeiträge nicht steuerlich gefördert. Dafür fällt die Besteuerung in der Rentenphase viel geringer aus und bezieht sich allein auf die erwirtschafteten Erträge.
Außerdem sollten nur solche Versicherungen mit einem ETF-Sparplan verglichen werden, die ebenfalls in ETFs investieren und keine Beitragsgarantie bieten. Beides senkt die Kosten. Und bei einem ETF Sparplan wird der Erhalt der Einzahlungen schließlich ebenfalls nicht garantiert. Was sich hinter Beitragsgarantien verbirgt und warum es auch ohne geht, erfahren Sie unter Anlagekonzepte von Rentenversicherungen.

Steuervorteil: wie Erträge aus ETF Sparplan und ETF Rentenversicherung versteuert werden

Versteuerung von Erträgen aus Sparplänen

Auf Erträge aus ihrem ETF Sparplan müssen Sie Stand heute 25 % Kapitalertragsteuer und von diesen zusätzlich 5,5 % Solidaritätszuschlag zahlen (macht zusammen 26,375%). Ggf. fällt zusätzlich noch Kirchensteuer an. Bis zu einer Höhe von 1000€ jährlich sind Kapitalerträge für Unverheiratete zwar steuerfrei, aber einen nicht genutzten Sparerfreibetrag können Sie nicht in die Folgejahre übertragen. Es gilt das Zuflussprinzip.
Verfolgen Sie eine klassische Buy & Hold Strategie und rufen Ihr angespartes Kapital erst zum Renteneintritt oder einem beliebigen anderen Zeitpunkt gesamthaft ab, wird auf 70 % des Kursgewinns (bei ETFs und Fonds mit einem Aktienanteil >50 %) Kapitalertragsteuer fällig. 30 % der Erträge sind aufgrund der sogenannten Teilfreistellung steuerfrei.

Wollen Sie den Sparerfreibetrag ausschöpfen, müssen Sie, sofern Sie Gewinne erzielt haben, jedes Jahr Anteile Ihres Depots verkaufen und reinvestieren. Das wiederum erfordert ein gewisses Geschick und Know-how, damit die Steuerersparnis nicht durch Kursverluste neutralisiert wird.

Beispielrechnung: In Ihrem Depot befinden sich zu Rentenbeginn 100.000 €. Davon sind 60.000 € Erträge. Auf 70 % Ihrer Erträge (30 % Teilfreistellung) werden Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag in folgender Höhe fällig: 60.000 € * 0,7 * 0,26375 = 11.077,50 €

Versteuerung von Erträgen aus ETF Rentenversicherungen der 3. Schicht (Privatrente)

Die Besteuerung einer Kapitalauszahlung erfolgt nach dem Halbeinkünfteverfahren. Eine lebenslange monatliche Rente wiederum wird mit dem Ertragsanteil versteuert.

Halbeinkünfteverfahren bedeutet, dass Sie bei Ausübung Ihres Kapitalwahlrechts lediglich 50 % Ihrer Erträge versteuern müssen. Und zwar mit Ihrem dann gültigen und im Vergleich zu heute mit hoher Wahrscheinlichkeit niedrigeren persönlichen Steuersatz. Dabei werden Ihre Erträge aus ETFs mit einem Aktienanteil >50 % wie beim ETF Sparplan durch Teilfreistellung ebenfalls nicht vollständig, sondern lediglich zu 85 % herangezogen.

Zwei Voraussetzungen müssen Sie erfüllen, um vom Halbeinkünfteverfahren zu profitieren: Zum einen müssen Sie bei Auszahlung mindestens 62 Jahre alt sein und zum anderen muss Ihre Rentenversicherung mindestens 12 Jahre bestanden haben.

Beispielrechnung: Ihr Vertragsguthaben beläuft sich zu Rentenbeginn auf 100.000 €. Davon sind 60.000 € Erträge, angenommen wird ein persönlicher Steuersatz von 30 %. Für das Halbeinkünfteverfahren werden 85 % Ihrer Erträge (15 % Teilfreistellung) herangezogen. Es wird Einkommensteuer in folgender Höhe fällig: 60.000 € * 0,85 * 0,5 * 0,3 = 7.650 €

Den deutlichsten Steuervorteil bietet eine Privatrente allerdings, wenn Sie sich für eine lebenslange Rente entscheiden. Denn dann müssen Sie (bei Renteneintritt mit 67 Jahren) lediglich 17 % Ihrer Rente, den sogenannten Ertragsanteil, mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern.

Beispielrechnung: Bei 1.000 Euro monatlicher Rente, einem Ertragsanteil von 17 % und einem angenommenen persönlichen Steuersatz von 30 % werden lediglich 51 Euro Einkommensteuer auf die Rente fällig: 1.000 € * 0,17 * 0,3 = 51 €

Wichtig: Anhand der Beispielrechnungen können Sie noch nicht erkennen, mit welchem der beiden Systeme Sie nach Steuern und Kosten den größeren Ertrag erwirtschaften. Denn für die Garantie einer lebenslangen Rente (Versicherungsmantel) fallen Kosten an, die hier noch nicht berücksichtigt wurden. Darüber hinaus hängt der Steuervorteil von Ihrem tatsächlichen persönlichen Steuersatz ab. Mit den Steuervorteilen kann es Ihnen allerdings gelingen, die Kosten des Versicherungsmantels zu decken. Sofern Sie sich für einen kostengünstigen Nettotarif entscheiden.

Eine lebenslange Rente ist übrigens etwas, das Ihnen kein Sparplan (egal ob ETF, Fonds oder in Hochzinszeiten Banksparplan) bieten kann. Womit wir zum zweiten großen Vorteil privater Rentenversicherungen kommen.

Der Versicherungsmantel – eine Rentenversicherung zahlt auch dann noch, wenn Ihr Kapital eigentlich aufgebraucht ist

Eine private Rentenversicherung sichert Ihr finanzielles Risiko der Langlebigkeit ab. Allein aus diesem Grund ist sie nicht mit einem Sparplan zu vergleichen, der allein dem Vermögensaufbau dient.

Dazu ein Beispiel:
Nehmen wir an, Sie haben bei Renteneintritt eine Summe X angespart und möchten nun daraus eine monatliche Rente bestreiten. Dann stehen Sie vor der Aufgabe, einen monatlichen Entnahmeplan aufzustellen. Und dabei müssen Sie zunächst abschätzen, wie lange Sie nach Renteneintritt vermutlich noch leben werden. Gar nicht so einfach, oder?

Gehen wir davon aus, dass Sie sich für 20 Jahre entscheiden, Sie also damit rechnen, mit 87 Jahren zu versterben. Legt man den medizinischen Fortschritt zugrunde, könnte das für eine heute 30-jährige Person vielleicht sogar eine konservative Schätzung sein.
Aber was passiert, wenn Sie älter werden als 87? Evtl. erzielen Sie in der Zeit dazwischen noch Erträge aus dem noch nicht entnommenen Kapital. Wenn Sie dafür eine schwankungsarme Anlageform wählen, dürfte das bei niedrigem Zinsniveau jedoch nicht lange reichen.

Sie laufen also Gefahr, zu einem späten Zeitpunkt in Ihrem Leben eine Einkommenslücke zu erleiden, die sie dann nicht mehr ohne Weiteres schließen können.

Das heißt, den eingangs beschriebenen Kosten einer privaten Rentenversicherung steht durch den Versicherungsmantel eine echte Mehrleistung gegenüber. Meine Aufgabe als Versicherungsberater ist es, Ihnen diese Mehrleistung zu den für Sie günstigsten Konditionen zur Verfügung zu stellen. Und dies gelingt, wenn Sie sich für eine Nettopolice bei einem wirtschaftlich gut aufgestellten Versicherer mit schlanker Kostenstruktur und breiter Auswahl an ETFs entscheiden.

Das Ablaufmanagement als weitere Leistung des Versicherungsmantels

Das Ablaufmanagement ist eine Dienstleistung Ihres Versicherers. Sie stellt sicher, dass Ihr angespartes Kapital zum Ende der Ansparphase, in der Regel in den letzten 5 Jahren vor Renteneintritt, sukzessive in sicherere Anlageformen (wie z. B. Rentenfonds) umgeschichtet wird. Auf diese Weise wird verhindert, dass Ihre Rentenhöhe durch einen Börsensturz (wie zuletzt zu Beginn der Corona-Pandemie) kurz vor Rentenbeginn negativ beeinflusst wird. Ob und ab wann Sie das Ablaufmanagement nutzen wollen, liegt in Ihrer Hand.


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